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Nachruf auf Kat von Stenglin

Mit tiefer Trauer nimmt die Klostergalerie Abschied von Kat von Stenglin — einer Künstlerin, die nicht durch Lautstärke überzeugte, sondern durch das Gegenteil: durch Sammlung, durch Maß, durch jene stille, handwerklich bezwungene Intensität, die den Betrachter nicht überwältigt, sondern hält.

Kat von Stenglin wurde 1956 in Halle geboren. Die Landschaft der Saale-Unstrut-Region war ihr nicht bloß Herkunft — sie war Prägung. Im Gespräch mit der Klostergalerie erinnerte sie sich an Sommer in Roßbach, später in Kreipitzsch: an Güter, Weinberge, an eine Natur, die Geduld verlangt und Bestand hat. Diese Erinnerungen blieben ihr, auch als sie längst in Mecklenburg lebte — eine zweite Heimat, die nicht verblasste.

So kam die Begegnung mit Kloster Zscheiplitz nicht von ungefähr. Es war keine zufällige Ausstellung an einem beliebigen Ort. Es war eine Rückkehr: Herkunft, Landschaft, Handwerk und künstlerische Haltung fanden hier wieder zueinander — auf natürliche, fast unweigerliche Weise. Wer Kat von Stenglin kannte, wird verstanden haben, warum sie sich in diesen Räumen zu Hause fühlte.
Ihr Medium war die Gobelin-Weberei — eine alte Disziplin, eine Kunst, die mit Fäden zählt, mit Farben denkt und mit der Hand entscheidet. Sie hat diese Technik nicht restauriert und nicht dekoriert. Sie hat sie, mit formaler Intelligenz und tiefer Materialkenntnis, in die Gegenwart gebracht — ohne Bruch, ohne Lärm, ohne Anpassung an Moden, die sie ausdrücklich nicht interessierten.

Ihre Gobelins aus Wolle auf Leinen sind keine Textilien im beiläufigen Sinn. Sie sind gewebte Bilder: rhythmisch gegliedert, haptisch gegenwärtig, getragen von einer eigentümlichen Ruhe, die man nicht erzwingen, nur erweben kann. Mathematische Ordnung und farbliche Disziplin stehen darin nicht in Spannung — sie klingen zusammen. Das Quadrat, die Verschiebung kleinster Einheiten, optische Bewegung, Schwarz, Weiß, Rot und die reichen Tönungen pflanzengefärbter Wolle: das war ihre Sprache. Eine präzise, geduldige, unverwechselbare Sprache.
Ihre jahrzehntelange Erfahrung im Gobelin und in der Pflanzenfärberei prägte eine Arbeitsweise, in der Entwurf, Material und Ausführung nie voneinander zu trennen waren. Ihre Bilder entstanden zuerst im Kopf, dann auf dem Papier — und erst dann am Hochwebstuhl. Diese Reihenfolge ist kein Zufall. Sie ist Haltung.

In ihrem Gespräch mit Klostergalerie sprach Kat von Stenglin einen Satz, der vieles erklärt:

„Es geht mir nicht um Moden, sondern um die rechte Technik.“

Darin liegt keine Enge. Darin liegt Freiheit — die Freiheit dessen, der sein Handwerk so gründlich beherrscht, dass er es nicht mehr erklären muss. Technik war für sie kein bloßes Verfahren, sondern eine Überzeugung. Wahres Weben, sagte sie, dulde keine Eile. Es verlange Harmonie: die richtige Wolle, die richtigen Farbtöne, den ausgewogenen Entwurf — und jenes innere Gleichgewicht, in dem alle Elemente eines Werkes aufeinander hören.

Sie suchte nicht den schnellen Effekt. Sie vertraute der Dauer des Materials, der Präzision der Hand und der stillen Kraft des fertigen Bildes — einer Stille, die nicht Schweigen ist, sondern Vollkommenheit.
Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Keramiker Alexander von Stenglin, schuf sie auf dem Eichenhof in Picher einen Ort, der Werkstatt und Wohnraum, Galerie und gelebte künstlerische Welt zugleich war. Seit 1986 wuchs dieser Hof zu einem eigentümlichen Zentrum für Keramik und Textilkunst in Mecklenburg heran — abgelegen, eigenständig, nicht modisch. Gewachsen, wie alles dort, aus Arbeit, Landschaft und täglicher Praxis.

Kat von Stenglin zeigte ihre Arbeiten in Ahrenshoop, Wiesbaden, Schwerin, Bothmer, Testorf und Berlin, im weiteren Kontext des Kunsthandwerks in Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Werke wurden von Galerien, Sammlern und Kennern geschätzt. Doch wichtiger als jede Liste ist, was bleibt: eine Klarheit, die sich nicht aufdrängt; eine Schönheit, die nicht verführt, weil sie Bestand hat.

Für die Klostergalerie war die Zusammenarbeit mit Kat von Stenglin eine Ehre. Ihre Werke gehörten zu den stärksten künstlerischen Stimmen, die in unseren Räumen zu erleben waren. Sie standen in einem seltenen Einklang mit diesem Ort — mit seiner klösterlichen Vergangenheit, mit der Weite der Saale-Unstrut-Landschaft, mit einem Kunstverständnis, das nicht vom Markt ausgeht, sondern von Maß, Geduld, Material und Wahrhaftigkeit.
Dass die Ausstellung in der Klostergalerie Zscheiplitz Kat von Stenglins letzte Einzelausstellung zu Lebzeiten werden sollte, gibt dieser Begegnung eine besondere, tiefe Bedeutung. Ihr Werk kehrte damit noch einmal in die Landschaft ihrer Kindheit zurück — in jene Saale-Unstrut-Region, die ihr nicht nur Herkunft, sondern Prägung gewesen war. Was in Roßbach und Kreipitzsch als Erinnerung, Blick und Lebensgefühl begonnen hatte, fand in Zscheiplitz einen späten, stillen Kreis.

Es war ein großes Privileg, ihr Werk hier, in der Landschaft ihrer frühen Jahre, noch einmal in solcher Dichte zeigen zu dürfen. Aus diesem Privileg erwächst für uns eine Verpflichtung.

Die Klostergalerie wird Kat von Stenglins Kunst auch weiterhin vertreten. Ihr Werk sichtbar zu halten, zu bewahren und ihr künstlerisches Vermächtnis mit Sorgfalt weiterzutragen, verstehen wir als Verpflichtung und Ehre.
Ihr Tod schließt ein Leben ab — nicht die Wirkung ihrer Kunst.

Diese bleibt:

in den Geweben,

in den Farben,

in der Strenge der Form,

in der Wärme des Materials,

in jener stillen Ordnung, die ihre Arbeiten unverwechselbar macht;

und auch in der Landschaft —

in den Bögen der Unstrut,

im sanften Schwung der Hügel und Weinberge.

Kat von Stenglin

1956–2026


Alexander von Hahn, Mai 2026

2026-05-31 17:02